Über Geschichten aus dem Oberstübchen

In dieser Kategorie hüte ich einige meiner Kurzgeschichten. Sie sind eher sureal und traumartig. Einige habe ich in dem Buch „Lüften, um die Geister reinzulassen“ zusammengefasst und mit den gleichen Zeichnungen wie hier illustriert.

Geschichten habe ich bereits erdacht und geschrieben noch bevor ich anfing zu malen. Allerdings wollte ich gleich groß anfangen und habe nie etwas zu Ende gebracht. Dieser verdammte Meister, der vom Himmel fällt, wollte ich sein. Aber you live you learn. Meister fallen nicht einfach vom Himmel. Sie brauchen Zeit, Arbeit und viiiel Geduld. Ich will keineswegs andeuten, dass ich ein Meister bin (höhö), ganz und gar nicht. Denn dann würde ich wahrscheinlich entweder ein Häuschen in L.A. oder der Toskana besitzen (oder beides) mit einem Refugeecamp für gerettete Tiere oder so. Als ich einmal eine kreative Blockade hatte, habe ich an der VHS einen Kurs für kreatives Schreiben begonnen, um einfach was anderes zu versuchen. Der Kurs war bei Katrin Dorn (jetzt: McClean) und hat einiges bei mir in Wallung gebracht. Später war ich Teil ihrer Autorengruppe „AbisZ“. Die Lesung bei der DingDong-Ausstellung im Ex-Karstadt und die Weihnachtsveranstaltung im Live haben mir viel Spass gemacht, es war furchtbar aufregend vor Publikum zu lesen.  Ich schreibe, wenn mein Kopf derart voll ist, dass die Geschichten raus müssen. So ähnlich war es mit diesen. Viel Spass damit!

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Saugende Wände

schwulstscanDa drüben habe ich einmal gewohnt. Das Haus musste abgerissen werden. Weil es allmählich absackt, haben sie gesagt. Dafür wurde am Stadtrand ein neues gebaut. Als würde man ein vollgeschriebenes Tagebuch verbrennen und ein neues anfangen in der Hoffnung, alles würde sich ändern. Es brauchte nur wenige Jahre, um das neue Zuhause allmählich absacken zu lassen. Die Wände saugen alles auf. Fehler. Furcht. Schrecken. Gelächter. Wie das alte wird es schwerer und schwerer. Und nichts kann das Gewicht erleichtern.

Da drüben war ich mal zu Hause. Jetzt haben sie ein Einkaufszentrum auf die Trümmer gebaut. Ich war noch nie drinnen. Einmal hab ich volltrunken im Vorbeigehen einen schweren Stein ins Schaufenster geschmissen. Aber er hinterließ keine Spuren. Stattdessen ging die Alarmanlage los und ich sucht das Weite.

Dort drüben bin ich aufgewachsen. Manchmal stehe ich in meinen Träumen vor der Haustür und klopfe an. Aber niemand kommt, um mir zu öffnen. Dann betrete ich eigenmächtig den Flur. Er ist dunkel und leergeräumt. Es riecht schimmelig. Ich betrete erwartungsvoll jeden Raum. Aber alle Räume sind leer. Der Strom ist abgeschaltet. In meinem Kinderzimmer hat sich der Teppich mit Regenwasser vollgesogen. Das ganze Haus ist eine Bruchbude. Ein Trümmerhaufen. Natürlich musste es abgerissen werden. Wie ein kranker Zahn gezogen werden muss. Wie ein Geschwür entfernt werden muss. Aus solchen Träumen erwache ich mit Halsschmerzen.