Insomnie-Party

kopfhoererEr irrt durch das dunkle Gebäude. „Elektrizität fehlt überall.“ denkt er. Von einem Seil gezogen schlurft er die Gänge entlang. Um die Ecken. An nichtssagenden, verhängten Fenstern vorbei durch ein Dickicht von Stille und Leere. „Es fehlt der Schalter.“ denkt er. Ein entferntes Surren lässt ihn hoffen. „Wo ein Schalter ist, ist auch ein Weg.“

In einem ihm unbekannten Korridor bemerkt er eine seltsame Leere in seinen Händen. Er überprüft die Anwesenheit des Seils. Vertraut fühlt es sich an. Aber seine Hände brauchen etwas anderes. Etwas zum Greifen, Drücken oder Quetschen. Er setzt sein Gewicht gegen das Seil ein. Seine Nachtaugen schweifen im Korridor umher. „Etwas zum Greifen.“ murmelt er, „Es fehlt etwas zum…“  Seine Aufmerksamkeit wechselt den Wirt. Türen. In regelmäßigen Abständen zu seiner rechten Seite: unzählige Türen. Das Seil zerrt ungeduldig. Er stemmt sich gegen den Sog bis beinahe sein Rückgrat bricht. Da löst sich das Seil und er fällt zu Boden. Arglos liegt es vor ihm. Wartend. Oder tot. „Wo ist der Unterschied?“ sagt er. „Warten ist tote Zeit.“ Das Surren weht durch sein Haar. Schwerfällig schüttelt er es ab. „Ich will nicht mehr warten.“ sagt er und wendet sich den Türen zu. Er horcht an dem temperaturlosen Holz und feilscht mit sich selbst den nächsten Schritt aus. „Ein Schalter kann auch mal eine Klinke sein.“ sagt er und drückt die schwere Klinke herunter. Geräuschlos schwingt die Tür auf. Gleißendes Licht lässt ihn kurzzeitig erblinden. „WILL – KOM – MEN!“ singt es gesichtslos im Kanon. Er schlägt die Tür ins Schloss. Fällt rücklings zu Boden. Atmet schwer. Heftig hämmert es in seiner­ Brust. Er rollt sich zusammen und wartet auf den Schlaf. Seine Augen brennen. Das Surren findet seinen Weg zurück zu seinem Ohr. Zaghaft nimmt er das Ende des Seils auf. „Willkommen zu was?“ denkt er unerwartet. Läßt das Seil fallen. Kehrt zur Tür zurück, unsicher, ob es die richtige ist. Noch immer versperrt ihm ein Blendfleck die Sicht. Verformt zu einem Schmetterling. Grünlich, bläulich hindert er ihn daran, sich an die Dunkelheit zurückzugewöhnen. Er reibt sich die Augen. „Wer waren diese Leute?“ Eindringlich quält das Surren. „Willkommen zu was?“ Das Seil findet geisterhändig den Weg um seine Hüften. „Welche Tür war es?“ Das Seil zieht ihn fort. Schritt für Schritt. Der Schmetterling verblasst. „Es fehlt an Elektrizität.“ denkt er.

„Finde ich den Schalter, kann ich endlich abschalten.“ Er bleibt abrupt stehen. Das Seil ist fort. Das Surren lässt ihn seine Gedanken kaum verstehen. Er befindet sich in einem Raum. Das Surren ist ein Murmeln. Der Raum besitzt eine Notbeleuchtung. Das Murmeln ist ein Wispern hunderter Stimmen. Die Stimmen stammen von Schemen, die im Raum umherirren. Knien. Über den Boden kriechen. „Wo ist der Schalter?“ murmeln sie. „Finde ich den Schalter, kann ich endlich abschalten. Kann ich endlich Schlaf finden. Wer waren nur diese Leute? Willkommen zu was? Finde ich den Schalter, finde ich den Schlaf, finde ich auch zurück…“

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