Nasenbluten in NY

nasenblutenswSeit ich in New York bin, blutet meine Nase. Um die Blutung zu stoppen, stopfte ich mir Watte in die Nasenlöcher. Um die Watte zu verbergen, verband ich mir den Kopf. Ich fühlte mich keineswegs krank. Aber um das Bild zu vervollständigen, lief ich in Pyjama und Bademantel umher, einen mobilen Tropf an meiner Seite. Niemand kümmerte sich um mein verschrobenes Auftreten. Niemand fragte nach meinem Namen oder meiner Herkunft. Ich war lediglich der Mann mit dem Tropf. Wer weiß schon, ob sie sich Geschichten über mich ausdachten. Wilde Geschichten. Mit viel schmutzigen Sex und Gewalt und ohrenbetäubender Indierockmusik. Vielleicht ist der Tropf mein Gefährte. Aber ich habe keinen Sex mit ihm. Und auch keine Gewalt. Manchmal bin ich vielleicht etwas ruppig, wenn die Räder blockieren. Aber es tut mir schnell leid und ich trage ihn dann eine Weile. Vielleicht denken sie auch, er tue mir Gewalt an. Eine plausible Erklärung für meine Bandagen und die ständig blutige Nase. Ein unbeobachteter Augenblick und Zack! schlägt mir der imaginäre Ellenbogen vom Tropf an die Nase.  Mich würde es nicht wundern, spräche mich im Central Park ein Jogger oder ein Obdachloser an, warum ich immer noch mit diesem Klotz am Bein, diesem zur Gewalt neigenden Tropf zusammen sei. Aber bisher sprach mich niemand an. Was auch immer in den Köpfen der anderen vorgeht, es bleibt mir verborgen. Ich bleibe nur der Mann mit dem Tropf.

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